Untersuchungen zeigen: - 17.11.2017

Kein Zusammenhang zwischen Kanutourismus und Rückgang der Leitfischarten nachweisbar

Mörnsheim/Eichstätt (mkl):
Aufatmen bei den Kanuverleihern an der Altmühl. Die seit über einem Jahr schwelende Debatte darüber, ob der Grund für den Rückgang der Fischarten Barbe und Nase auf die wachsende Freizeitnutzung der Altmühl durch Kanufahrer zurück zu führen ist, hat für die Bootsverleiher eine erfreuliche Wendung genommen.

Anlässlich des vom Naturpark Altmühltal einberufenen runden Tisches anlässlich eines Interessenkonflikts zwischen Anglern, Kanutourismus und Naturschutz hat die Arbeitsgemeinschaft Kanuqualität Altmühl
(AKQUA e.V.) den Gewässerökologen Dieter Lillich mit einer Analyse beauftragt.
Dieser präsentierte den rund 80 direkt und indirekt von der Debatte betroffenen Teilnehmern, eine Zusammenstellung aus bereits durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen entlang der Altmühl.
Aus diesen Veröffentlichungen geht hervor, dass die sogenannten Leitfischarten Nase und Barbe, um die sich die Gemüter im Vorfeld erhitzt hatten, nicht nur in der Altmühl, sondern in ganz Bayern rückläufig sind.

Wie eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus dem Jahr 2012 belegt, konnten diese beiden Fischarten nur noch im Bereich der Schwarzachmündung bei Kinding gefunden werden. Sowohl die Regierung von Oberbayern als auch die Landesanstalt für Umwelt benennen als Ursache für den Rückgang von Barbe und Nase zum einen die Zerschneidung der Lebensräume durch Wehre und zum anderen die monotone Struktur der Altmühl und Probleme bei der Wasserqualität. Diese sei ursächlich auf die intensive landwirtschaftliche Nutzungen entlang der Altmühl zurück zu führen, durch die es zu hohen Düngemitteleinträgen in den Fluss komme. Verschlechtert werde die Situation der Altmühl zudem durch die Nutzung des Altmühlsees als Überleiter zum Rhein-Main-Donau-Kanal.
Dadurch kommt es während der Sommermonate regelmäßig zu niedrigen Wasserständen und zu erhöhter Wassertemperatur.
Der Gewässerökologe verwies in seinen Ausführungen auf die, an etlichen Wehren zwischen Solnhofen und Eichstätt, für wandernde Fische schwer aufzufindenden Aufstiegshilfen.
Bis auf den optimal gestalteten Umgehungsbach am Rebdorfer Wehr in Eichstätt, gäbe es an allen anderen Wehren zu starke Lockströmungen der Triebwerkskanäle. Da die Triebwerkskanäle wesentlich mehr Wasser führten als die geschaffenen Ersatzbäche, würden die Fische in die falsche Strömung gelockt und so an ihrer Wanderung gehindert.
Lillich zeigte auf, dass bei keiner der Untersuchungen der Kanutourismus als Problem definiert wird. In den von Regierungsseite ausgearbeiteten Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Altmühl werde daher auch an keiner Stelle eine Einschränkung des Bootstourismus vorgeschlagen.
Damit gäbe es für Sperrungen oder Reglementierungen keinerlei Grundlage.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Christoph Würflein als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Naturpark Altmühltal klar geäußert, dass man von Seiten des Tourismus grundsätzlich lieber auf „Angebote statt Verbote“ setze.
Der umstrittene Altmühlabschnitt zwischen Solnhofen und Dollnstein sei mit den hier vorhandenen beiden Bootsrutschen ein „hoch attraktives Kanurevier“ und ein touristischer Konzentrationspunkt.
Für die betroffenen Landratsämter Weißenburg und Eichstätt ging es nach den Vorschlägen der Angler auf Schaffung von Laichschongebieten, darum zu prüfen, ob und wenn ja, welche Rechte beeinträchtigt sein könnten. Zu betrachten sind hier das Freizeitrecht, der Naturschutz und das Fischereirecht. Bei nachgewiesenen negativen Einflüssen auf Natur und Fischereirechte durch Kanufahrer, könnten die Landratsämter im Rahmen ihres Ermessensspielraums zeitliche Einschränkungen bei der Befahrung und Zulassung der Boote anordnen.

Diese Sorge der Kanufahrer, dass es zu Beginn der Boots- und Tourismussaison von April bis Juni zu einer Sperrung der Altmühl kommen könnte, ist nun erst mal vom Tisch. Solange es keine Nachweise auf Schädigung durch das Kanufahren gibt, können sich die Bootsfahrer weiterhin auf das Recht auf Gemeingebrauch der Altmühl berufen.

Weitergeführt werden soll dennoch eine bereits seit einem Jahr laufende Untersuchung im Rahmen einer Masterarbeit des Studenten David Ipfelkofer an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er untersucht 13 Kiesbänke entlang der Altmühl, um herauszufinden, ob diese noch als natürliche Laichplätze von Barbe und Nase genutzt werden. Diese Fische gehören zu den kieslaichenden Fischarten. Da die Altmühl zunehmend verschlammt und es daher kaum noch Kiesbänke in der Altmühl gibt, fehlen Barbe und Nase entsprechende Laichgebiete.
Zwei der zu untersuchenden Kiesbänke finden sich in unmittelbarer Nähe der beliebten Bootsrutschen Hammermühle und Hagenacker. Hier konnten bei seinen Untersuchungen in diesem Jahr 38 Jungfische ausfindig gemacht werden. Ob sie aber wirklich von dort kommen, oder ursprünglich aus einem der einfließenden Seitengewässer stammen, sollte untersucht werden.

Text und Bild: Knipp-Lillich

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