Schadwirkungen durch Kanufahrer? - 06.10.2017

Bayerischer Kanuverband fordert aussagekräftiges Monitoring

Eichstätt (mkl): Kanufahren wird immer beliebter. Nicht nur private Kanuten entdecken diesen Sport für sich, auch immer mehr gewerbliche Bootsverleiher sind entlang der befahren bayerischen Flüsse anzutreffen. Gerade in den Sommermonaten von Mai bis August boomt der Kanutourismus. Besonders an schönen Wochenenden trifft man auch auf der Altmühl jede Menge Bootsfahrer. Besonders beliebt ist hier die Strecke zwischen Solnhofen und Dollnstein.

Aber des einen Freud scheint des anderen Leid.

Vor allem Angler sehen im zunehmenden Freizeitsport eine Beeinträchtigung von Laichplätzen für Fische und damit ihrer Angelreviere. Sie fordern strengere Regularien und Zulassungsbegrenzungen für gewerbliche Anbieter. Auch über saisonale Sperrungen wird diskutiert. Sperrungen allerdings wären ein herber Rückschlag für den Kanutourismus. Gerade die befahrbaren Wehre im Landkreis Eichstätt an der Hammermühle bei Mörnsheim und Hagenacker in der Gemeinde Dollnstein erfreuen sich als „Bootsrutschen“ maximaler Beliebtheit.

Auch der Bayerische Kanuverband e.V. bezieht Stellung zu der Debatte.
Ansprechpartner des Themenbereichs Umwelt und Gewässer ist Dr. Stefan Schmidt. Auch er kennt die Interessenskonflikte die durch den zunehmenden Freizeittourismus entstehen. „Leider wird in der Debatte viel mit Behauptungen gearbeitet“, so Schmidt. Bislang aber gebe es „keinerlei wissenschaftliche Belege und kein Monitoring“, so der Verbandsvertreter. Kanufahren stelle nur eine mögliche Belastung für das Ökosystem Fluss dar, ebenso wie Wassertemperatur, Schadstoffeinträge und Schlammablagerungen. Auch Hochwasser reiße Brutgelege mit sich fort. Diese Schadwirkungen würden bislang „komplett ausgeblendet“, so Schmidt. Für den Umweltreferenten des Bayerischen Kanuverbands werde zu Unrecht vor allem auf den Kanufahrern als Benutzergruppe herumgehackt.Die Frage „wie viel Paddler verträgt ein Fluss“ könne nur unter Einbeziehung aller Beteiligten geklärt werden, so Schmidt. Um Einseitigkeiten und Betriebsblindheit zu vermeiden, hält er es daher für unumgänglich, dass sich alle Betroffenen zusammensetzten und gemeinsam festlegen, was in einer Studie untersucht werden soll. Nur so könne es gelingen, dass die Ergebnisse und etwaige Lenkungsmaßnahmen später auch von allen akzeptiert werden.

An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht gerade ein Student in einer Masterarbeit, welche Auswirkungen der Kanutourismus auf die Fischerei haben könnte. Erste Zwischenergebnisse sollen am 9. November vorgestellt werden.

Ob darin auch untersucht wird, welche Fischarten als Fischbesatz in der Altmühl eingesetzt werden und welche davon heimische Arten sind ist bislang nicht bekannt. Entscheidend für den Wert des Biotops ist nämlich, welchen Arten es gelingt sich selbst zu reproduzieren.